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Jürgen Seeberger musste bei seinem Liga-Debüt als neuer Kickers-Cheftrainer eine 0:2-Niederlage in Völklingen hinnehmen (Fotos: Baumann).

Jürgen Seeberger musste bei seinem Liga-Debüt als neuer Kickers-Cheftrainer eine 0:2-Niederlage in Völklingen hinnehmen (Fotos: Baumann).

Profis | 14.04.2018

Nicht zu glauben: 0:2 in Völklingen

Felix Dausend entscheidet die Partie mit seinem Doppelpack für den Aufsteiger

Enttäuschung bei Mario Suver.
Enttäuschung bei Mario Suver.

Es gibt Spiele, die darfst du einfach nicht verlieren. Heute war so ein Spieltag, doch die Kickers schafften es auch beim abgeschlagenen Tabellenletzten SV Röchling Völklingen nicht, die wichtigen Punkte im Kampf um den Ligaverbleib in der Regionalliga Südwest einzufahren. Auch wenn die Partie lange überlegen geführt wurde und die Blauen klares optisches Übergewicht und Chancenplus hatten, gab es zwei Schlüsselszenen, die womöglich die Partie entschieden. Lukas Scepanik sah binnen zehn Minuten die Ampelkarte (45.+1) und Alessandro Abruscia vergab die dicke Möglichkeit zur Führung, als er alleine vor dem Tor der Saarländer stand (48.). Binnen drei Minuten erzielte Felix Dausend seinen Doppelpack (77. und 80.) und stürzte die Kickers in noch tiefere Abstiegssorgen bei nur noch drei verbleibenden Spielen. Das Unglaubliche daran: zwei der vier Saisonsiege und der erste Sieg der Rückrunde schaffte der Aufsteiger ausgerechnet gegen die Degerlocher.

Duplizität der negativen Ereignisse: Schon im Hinspiel bei der 1:4-Heimpleite gegen den Aufsteiger aus dem Saarland stand damals mit Paco Vaz ein neuer Cheftrainer an der Seitenlinie. Heute gab der neue Kickers-Trainer Jürgen Seeberger sein Regionalligadebüt als Coach der Blauen, der seine Startelf im Vergleich zur guten Pokalpartie gegen Großaspach auf drei Positionen veränderte. Christian Ortag kehrte für Miro Varvodic ins Tor zurück, Lukas Sepanik und Daniel Döringer begannen für Marvin Jäger (Sperre 5. Gelbe Karte) und Edwin Schwarz. Verletzungsbedingt fehlten weiterhin Jesse Weißenfels, Luca Pfeiffer, Josip Landeka, Alwin Komolong, Lhadji Badiane und Daniel Hammel.

Die Anfangsphase bei der heimschwächsten Mannschaft der Liga (1 Sieg, 5 Unentschieden, 10 Niederlagen) ging munter mit einigen Möglichkeiten los. Die Kopfballablage von Michael Klauß nahm Daniel Döringer volley, aber Keeper Sebastian Buhl schnappte sich den Schuss im Nachfassen (7.). In der 11. Minute der erste Abschluss von Völklingen, als Fabian Scheffer aus gut 12 Metern abzog, aber Christian Ortag fing das Spielgeräte sicher. Wieder auf der anderen Seite köpfte nach mehreren Kopfbällen am Fünfmeter zuletzt Scepanik in Richtung Tor, aber sein Versuch wurde noch zur Ecke abgefälscht (14.). Nach einem Freistoß der Gastgeber schaffte es Christian Ortag nicht, den Ball in der Luft abzufangen, so dass das Spielgerät von der Grundlinie wieder vors Tor geschlagen wurde, wo aber Tunjic per Kopf über die Latte klären konnte (16.).

In der Folge waren die Degerlocher dem Führungstreffer näher: Die erste Flanke vom linken Flügel köpfte Tunjic am Tor vorbei (18.), nach dem zweiten Flankenball von der anderen Seite wurde erneut der Kickers-Stürmer gefunden, doch seinen Kopfball blockte ein Abwehrspieler gerade noch zur Ecke ab. Der folgende Eckball flog gefährlich in den Strafraum, wo die Gastgeber zunächst nicht klären konnten und im Gestochere das Spielgerät dann bei Tobias Feisthammel landete, aber der Verteidiger brachte den Ball leider nicht über Torlinie (19.). Nach einem langen Ball kam es zum Laufduell zwischen Michael Klauß und SV-Abwehrspieler Lars Birster, der den Kickers-Angreifer noch entscheidend stören konnte, so dass sein Schuss von der Strafraumgrenze über den Querbalken flog (20.)

In der Folge verflachte aber die Partie und es gab für die 334 Zuschauer viele kleinere und härte Fouls und damit Spielunterbrechungen zu sehen. Immer wieder flogen zwar Freistöße aus dem Halbfeld in den Kickers-Strafraum, aber zumeist hatten die Blauen alles im Griff und Ortag war ein sicherer Rückhalt, wenn er mal geprüft wurde. Doch einen Höhepunkt - und vermutlich eine der beiden Schlüsselszenen der heutigen Partie - hatte die erste Halbzeit noch: Lukas Scepanik holte sich innerhalb von zehn Minuten durch zwei Fouls die Ampelkarte ab – die zweite mit dem Pausenpfiff sogar in der Hälfte der Völklinger, als er den Ball im Dribbling verloren hatte und aus Sicht der Referees zu ungestüm nachsetzen wollte.

Lukas Scepanik holte sich eine Ampelkarte ab.
Lukas Scepanik holte sich eine Ampelkarte ab.

Mit diesem Bärendienst traten die Blauen den zweiten Spielabschnitt in Unterzahl und fortan mit einer Dreierkette an. Die womöglich zweite Schlüsselszene im Spiel gleich nach Wiederbeginn: Alessandro Abruscia vergab die dicke Chance zur Führung, als er von Ortag per schnellem Abschlag weit geschickt wurde und im Laufduell mit seinem Gegenspieler schneller war, doch sein Linksschuss war leider zu schwach und landete genau in der Armen von Buhl (48.).

Fünf Minute später versuchte es der Kapitän mit einem Distanzschuss aus gut 30 Metern mit seinem starken rechten Fuß, doch dieser ging zwei Meter am linken Pfosten vorbei. Die Stuttgarter blieben das bessere und gefälligere Team gegen einen wirklich schwachen Gegner, die auch in nummerischer Überzahl zunächst nichts in der Offensive zu Stande brachten.

In der 60. Minute stand der Italiener wieder im Mittelpunkt, als er sich mit einem tollen Solo von außen in den Strafraum dribbelte und zurück auf den Elfmeterpunkt passte, doch der Schuss von Klauß wurde abgeblockt.

Doch urplötzlich bekamen die Völklinger zwei Möglichkeiten: Zunächst vergab Ivana, als die Kickers nicht entscheiden klären konnten. Der Angreifer setzte sich auf halblinks durch und hätte es sich eigentlich aussuchen können, aber Ortag machte sich breit und entschärfte die Situation stark (74.). Metin versetzte mit zwei Körpertäuschungen seine Gegenspieler und schoss aus 20 Metern, jedoch lenkte Ortag mit einer guten Parade den Ball gerade noch über die Latte (73.). Die Partie kippte und per Doppelschlag lagen die Gastgeber in Front: Lo Scrudato konnte zu ungehindert in den Strafraum flanken, wo der eingewechselte Felix Dausend sich entscheidend von Tobias Feisthammel absetzte und mit einem Drehschuss zum 1:0 traf (77.). Nur drei Minuten später kam Ortag gegen Dausend nach einem Steilpass einen Schritt zu spät und foulte den Angreifer im Strafraum – Schiedsrichter Mario Schmidt entschied sofort auf Foulelfmeter. Der Gefoulte zimmerte den Strafstoß zum 2:0 in die Maschen (80.).

Nach einem Freistoß von Klauß zwang der eingewechselte Edwin Schwarz mit seinem klasse Kopfball SV-Keeper Sebastian Buhl zu einer Glanzparade, der Ball landete noch an der Querlatte - das hätte der Anschlusstreffer sein können (83.). Der ebenfalls eingewechselte Jonas Meiser hatte mit seinem Schuss an den Außenpfosten die nächste Möglichkeit zum Anschlusstreffer (86.). Auf der anderen Seite fasste sich Birk ein Herz und zog aus gut 25m ab, doch erneut war Ortag auf seinem Posten und klärte den Ball aus dem Winkel zur Ecke (87.). In der Nachspielzeit hatte Völkingen nochmals die Möglichkeit aus dem Rückraum gar auf 3:0 zu erhöhen, als Meridja aus 20 Metern abzog, der Ball knallte von der Unterkante der Latte auf den Boden und sprang wieder heraus.

Am Samstag, 21. April 2018 empfangen die Kickers die U23-Mannschaft des SC Freiburg. Der Anstoß erfolgt um 14.00 Uhr im GAZi-Stadion auf der Waldau. Nach dem ungeschriebenen Gesetz der schwankenden Leistungen der Kickers-Mannschaft MUSS gegen das Freiburger Nachwuchsteam ja wieder eine bessere und hoffentlich erfolgreichere Partie zu erwarten sein.

Cheftrainer Jürgen Seeberger nach der Partie: „Wir sind in den ersten zwanzig Minuten gut in das Spiel reingekommen und hatten den einen oder anderen Abschuss. Völklingen hat gute Zweikämpfer und dadurch haben wie immer wieder Standards verursacht und gelbe Karte bekommen. Unser Job ist es die Zweikämpfe zu gewinnen und die Foulspiele zu unterlassen. Bis zur Halbzeit ist dann nicht mehr soviel passiert, und dann kam die Gelb-Rote Karte. Das war eine große Hypothek für die zweite Halbzeit. Wir hatten dennoch die größte Chance mit Alessandro Abruscia alleine vor dem Tor. Wenn wir da in Führung gehen, hätte es uns sicher weitergeholfen. Bis zum 1:0 haben wir es eigentlich ganz gut gemacht, dann kam das 2:0 und dann hat man gesehen, dass die Mannschaft ein bisschen die Köpfe hängen ließ. Jetzt müssen wir uns alle wieder aufrichten. Es sind noch drei Spieltage und es ist noch alles möglich."

Es spielten:

SV Röchling Völklingen: Buhl (TW) – Lo Scrudato (85. Hadji), Birster, Messner – Groß (46. Metin), Meridja, Andreas (36. Dausend), Birk – Zimmer – Scheffer, Ivana
Ersatz: Crahay (ETW), Avan, Mpassi, Darkaoui
Trainer: Günter Erhardt

Stuttgarter Kickers: Ortag – Garnier, Suver, Feisthammel, Scepanik – Blank (75. Meiser), Döringer, Müller (65. Schwarz), Abruscia – Klauß, Tunjic (85. Diakite)
Ersatz: Varvodic (ETW), Schelhorn, Gerber, Mannström
Trainer: Jürgen Seeberger

Tore: 1:0 Dausend (77.), 2:0 Dausend (80., FE)

Schiedsrichter: Mario Schmidt, Assistenten: Philipp Michels, Michel Lehmann

Gelbe Karten: Lo Scrudato, Zimmer - Müller, Garnier, Suver, Ortag
Gelb-Rote Karten: Scepanik (45.+1, wiederholtes Foulspiel)
Rote Karten: -

Zuschauer: 334 Fans im Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen

 

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