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Kickers-Präsident Professor Dr. Rainer Lorz im Interview anlässlich der Mitgliederversammlung.

Kickers-Präsident Professor Dr. Rainer Lorz im Interview anlässlich der Mitgliederversammlung.

Verein | 21.11.2019

Interview mit dem Kickers-Präsidenten

Kickers-Präsident Professor Dr. Rainer Lorz im Interview anlässlich der Mitgliederversammlung am kommenden Mittwoch, 27. November 2019, um 19.00 Uhr.

Wie ist Ihr Gemütszustand ein paar Tage vor der Mitgliederversammlung?
Lorz: „Wenn man Präsident der Stuttgarter Kickers ist, gehört immer etwas verhaltener Optimismus dazu. Aber ich würde diesmal sagen, dass der verhaltene Optimismus aus Überzeugung kommt.“

Auf was begründen Sie dieses Gefühl?
Lorz: „Wir hatten im vergangenen Jahr einige Ereignisse, die die Kickers-Familie zusammengeschweißt haben und mit denen wir auch Akzente gesetzt haben. Und wir haben durchaus Perspektiven, die uns für die Zukunft einiges an Hoffnung geben.“

Aber im Sommer wurde doch der Aufstieg knapp verpaßt...
Lorz: „Natürlich. Aber für den sportlichen Erfolg unserer ersten Mannschaft können wir keine Garantie abgeben, sondern lediglich mit Maßnahmen versuchen, die Wahrscheinlichkeit auf Erfolge zu verbessern. Am Ende war es ja auch ganz knapp. Aber auch aus einem solch knappen Verfehlen der Ziele kann man Lehren ziehen und die Weichen für die Zukunft entsprechend stellen. Darüber hinaus sind die Stuttgarter Kickers mehr als nur die erste Mannschaft.“

Was sind die Stuttgarter Kickers noch?
Lorz: „Ein großartiger Verein mit guten Mitarbeitern, engagierten Mitgliedern, mit mehreren Abteilungen und mit vielen Ehrenamtlichen, die sich einbringen. Eine anderer Verein, ein Gefühl und eine Familie. Geprägt von Menschen völlig unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichem Background und Status. Das ist nicht unbedingt in Toren oder Worten festzumachen. Das spüren die Leute, wenn sie im Stadion sind oder auf dem Vereinsgelände.

Was waren dann die schönsten Momente?
Lorz: „Da gibt es einige, von denen ich keinen über den anderen stellen möchte. Deswegen nur zwei schnelle Beispiele: Wir haben uns als Verein beim Jubiläum hervorragend präsentiert. Wir konnten dort unsere herausragenden Merkmale – Tradition und Zukunft (Jugend) – sehr gut darstellen. Mit unseren Jugendmannschaften und mit dem Spiel der Ehemaligen, genauso den Ehrungen. Wir konnten dabei nebenbei auch viele ehemalige „Blaue“ wieder näher an den Verein binden. Aber auch der Julius-Hirsch-Preis für eine Initiative unserer Fans ist etwas ganz Besonderes und wird zweifelsohne in die Geschichte des Vereins eingehen. Immerhin wird er gerne als "Nobelpreis" fürs sportliche Engagement genannt.“

Auch wenn Sie die Ereignisse nicht einzeln bewerten wollen, war doch bestimmt das 120-jährigen Jubiläum für den Verein ein besonderes Fest.
Lorz: "Natürlich! Es gab auf unsere Feier eine sehr große und vor allem positive Resonanz, vor allem von Seiten der Fans, Mitglieder und Ehemaligen, aber auch von den Medien. Hier muss ich auch nochmals ein großes Dank an alle Beteiligten aussprechen, die dieses Fest in diesem Umfang auf die Beine gestellt haben. Der Tag hat vieles von dem wider gespiegelt, für das die Stuttgarter Kickers stehen. Unsere treuen Fans eingeschlossen - wir haben an dem Tag unseres Jubiläums den 97-jährigen Dr. Volker Merz als an Jahren der Mitgliedschaft ältestes Mitglied der Blauen geehrt, immerhin ist er seit dem 1. Januar 1930 Mitglied unseres Vereins.“

Emotionale Momente, zweifelsohne. Aber was sagen die Zahlen aus?
Lorz: „Wir haben es geschafft, die wirtschaftliche Lage des Vereins weiter zu stabilisieren und werden auf der Mitgliederversammlung für das erste Jahr in der Oberliga ein operativ – vor Abschreibungen - positives Ergebnis ausweisen und das, obwohl wir weiter stark – im Rahmen unserer Möglichkeiten - in die Jugend investieren und für die erste Mannschaft im Jahr nach dem Abstieg ein sehr wettbewerbsfähiges Budget dargestellt haben und auch in diesem Jahr wieder darstellen. Natürlich liegt noch ein weiter Weg vor uns, aber man muss sagen, dass es in den wesentlichen messbaren Bereichen wieder aufwärts geht. Ich glaube auch, dass wir in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich gestiegen sind: Unsere eigenen Kanäle wie Facebook, aber auch das Kickers-TV und das Waldauradio haben einen Zuwachs. Oder unser Zuschauerschnitt, wir sind damit unangefochten die Nummer eins in der Oberliga und wir wären damit auch eine Liga höher unter den ersten drei.“

Und daraus ziehen Sie den Optimismus für die Zukunft?
Lorz: „Einen Teil ziehe ich natürlich aus der Kickers-Familie. Aber vor allem auch aus den Fakten, die geschaffen wurden. Gerade in unserer ersten Mannschaft wurden wichtige Entwicklungen angestoßen: Die Mannschaft wurde deutlich verändert. Von zehn Neuzugängen haben acht eine Beziehung zur Region, sorgen also für eine bessere Identifikation. Wir haben den Altersschnitt in der Sommerpause deutlich verringert. Und zwar sowohl in der ersten Elf, als auch im Kader und liegen jetzt meistens unter 25 Jahren. Wir haben in dieser Saison bereits drei Spieler eingesetzt, die direkt aus der eigenen Jugend kommen. Das alles bringt Perspektiven.“

... aber in der vergangenen Saison lagen die Mannschaft  zu diesem Zeitpunkt auf Platz eins.
Lorz: „... und ist am Ende leider doch nicht aufgestiegen. Die Liga ist in dieser Saison wohl auch stärker und ausgeglichener besetzt. Wir haben unseren Spielstil verändert und wecken jetzt wieder mehr Emotionen. Wir haben gleichzeitig von der Leistung her mehr Ausschläge nach oben und nach unten. Wir spielen richtig gut – wie gegen VfB 2 – aber wir spielen manchmal auch richtig schlecht. Die Mannschaft ist noch nicht gefestigt. Aber es ist eine Entwicklung zu spüren – und das gefällt mir.“

... und die Jugend, für die die Kickers immer gerühmt wurde?
Lorz: „Natürlich gibt es überall Verbesserungspotenzial und der Abstieg der U19 aus der Bundesliga hat uns nicht gefallen, genauso wie die momentane Tabellensituation der U17. Es erfordert auch immer größere Anstrengungen, den Status des Nachwuchsleistungszentrums aufrecht zu erhalten. Aber es hat mich z.B. gefreut, dass es uns gelungen ist, einen begehrten Nachwuchsspieler wie Marcelo Freitas bis 2023 an den Verein zu binden."

Wenn wir in einem Jahr wieder hier zusammensitzen. Was werden Sie uns dann Neues sagen können?
Lorz: „Jeder würde dann sicherlich gerne hören, dass unser schönster Moment im letzten Jahr der Wiederaufstieg in die Regionalliga Südwest war. Ein Selbstläufer wird dies aber keineswegs. Was ich aber sicherlich auch im nächsten Jahr sagen kann, dass der Verein großartige Wegbegleiter hat und wir dankbar für jeden einzelnen Unterstützer sind.“

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