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Fanprojekt-Mitarbeiter Kai Völschow im Interview mit Ralf Vollmer (Fotos: Fanprojekt Stuttgart).

Fanprojekt-Mitarbeiter Kai Völschow im Interview mit Ralf Vollmer (Fotos: Fanprojekt Stuttgart).

Fans | 23.01.2019

Ausstellungseröffnung „Heimat KICKERS – Die Blauen in bewegten Zeiten“

Das Kickers Fanprojekt präsentiert die Ausstellung in seinen Räumlichkeiten.

Das Kickers Fanprojekt präsentierte am 16.01.2019 die in einer Ausstellung und einem 60-seitigen Booklet aufgearbeiteten Ergebnisse des Projektes „Heimat KICKERS – Die Blauen in bewegten Zeiten“ in seinen Räumlichkeiten in der Alexanderstraße 17 in Stuttgart-Mitte.

Unter den 40 geladenen Gästen waren Vertreter/-innen vom Vorstand des Trägervereins Fanprojekt Stuttgart e.V., der Fach- und Koordinierungsstelle der Partnerschaft für Demokratie Stuttgart (Alice Heisler), die das Projekt aus Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ finanziert hat, dem Präsidium der Stuttgarter Kickers (Dr. Niko Kleinmann) und aus dem Kreis ehemaliger (Ralf Vollmer) und aktueller (Patrick Auracher, Marvin Jäger) Spieler der Blauen.
 

In seiner Begrüßungsansprache unterstrich Vorsitzender Martin Maixner vom Trägerverein Fanprojekt Stuttgart e.V. den Leuchtturmcharakter des Projektes insgesamt und der Ausstellung im Besonderen für das noch junge Fanprojekt.

Es folgte ein investigatives Interview mit Ralf Vollmer, in dem Fanprojekt-Mitarbeiter Kai Völschow der Kickers-Legende so manche Anekdote aus glanzvollen Zeiten entlockte. Das Gespräch machte deutlich, was sich hinter dem viel zitierten Begriff der „Kickers-Familie“ verbirgt, was Spieler, Fans und Offizielle mit dem Verein, dem Stadion und den Menschen dort verbindet.
 

Besucher der Ausstellungseröffnung.
Besucher der Ausstellungseröffnung.

Anschließend begrüßte Daniel Metz, Mitarbeiter des Fanprojektes, die anwesenden Gäste. Er hob insbesondere die durchgängige Unterstützung des Vereins für das Projekt hervor, sowohl auf offizieller Ebene des Präsidiums, als auch in der praktischen Projektarbeit in der Kooperation mit der Geschäftsstelle, in erster Linie in Person von Kim-Tobias Stehle. Er beschrieb die Aktivitäten seit Beginn des Projektes im Oktober 2017, die neben regelmäßigen Arbeitssitzungen, Workshops, Recherche- und Dokumentationsarbeiten auch Exkursionen ins deutsche Fußballmuseum nach Dortmund oder eine Gedenkstättenfahrt nach Verdun (Frankreich) umfassten. Das große Engagement des 10-köpfigen Projektteams, in dem weibliche und männliche Kickers-Fans von jung bis alt zusammenarbeiten, wurde ganz besonders hervorgehoben.

Abschließend stellten die Teilnehmer/-innen des Projektes ihre Arbeitsergebnisse anhand der 10 ausgestellten Rollups zu geschichtlichen Epochen und Spielerbiografien vor. Hier wurde deutlich, dass mit dieser Ausstellung spannende, einer breiten Öffentlichkeit wenig bekannte Aspekte aus den ersten 50 Jahren Vereinsgeschichte der Blauen (1899 – 1949) in komprimierter, gut verständlicher Form präsentiert werden. Und so soll es auch weiter gehen.
 

Die Ausstellung geht nun zunächst einmal an die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule im Stuttgarter Osten und wird dort parallel zur Ausstellung „Kicker, Kämpfer, Legenden – Juden im deutschen Fußball“ gezeigt. Im Frühjahr wird das Projektteam dann bei ausgewählten Heimspielen der Blauen im GAZi-Stadion auf der Waldau vor Ort sein, um die Ausstellung zu präsentieren und mit den Kickers-Fans ins Gespräch zu kommen. Besuche von und in Schulklassen stehen ebenso an wie Treffen mit Nachfahren porträtierter Spieler. Auch die Recherchearbeiten sollen fortgesetzt und die Ausstellung noch erweitert werden.

Somit hat das Projekt mit dieser Ausstellung zwar einen ersten Höhepunkt, aber noch lange nicht seinen Abschluss, erreicht.
 

Eine historische Recherche des Fanprojekt Stuttgart e.V. (Kickers Fanprojekt)

Warum „HEIMAT KICKERS“?

Der langjährigen sportlichen Misere der Stuttgarter Kickers zum Trotz verfügen die Blauen immer noch über eine unverdrossen treue Anhängerschaft und eine kleine, aber sehr aktive und eng verwobene Fanszene. Der sichtbare Beweis dafür sind die anhaltend hohen Zuschauerzahlen und das neu entdeckte Wir-Gefühl der viel beschriebenen Kickers-Familie nach dem Abstieg in die Oberliga am Ende der Regionalliga-Saison 2017/18.

Für viele der Fans sind die Kickers soziale, emotionale und - mit dem Vereinsgelände und dem Stadion auf der Waldau - auch örtlich festzumachende Heimat geworden. Dieses Heimatgefühl und die damit verbundenen sozialen Bindungen begleiten „echte Blaue“ das ganze Leben hindurch.
Wie kaum eine andere Plattform bringt der Fußball - oder in diesem Fall genauer gesagt die tiefe, emotionale Verbundenheit der Fans zu den Blauen - Menschen aller Geschlechter, Generationen und Milieus zusammen. Dies schafft Raum für Kommunikation und Chancen für intensiven persönlichen Austausch, wie sie in dieser vielfältigen Konstellation nur selten entstehen.
 

Warum dieses Projekt?

Rechtspopulistische und allgemein menschenfeindliche Einflüsse halten immer wieder analog zur gesamtgesellschaftlichen Entwicklung auch in Fanszenen Einzug. Gerade für junge Fans, die auf der Suche nach Vorbildern und Orientierung sind, bringen diese Entwicklungen Gefahren mit sich.
Das Projekt HEIMAT KICKERS – Die Blauen in bewegten Zeiten will bei den Fans der Blauen ein tieferes Verständnis schaffen über die historische Entwicklung des Vereins in Zeiten politischer Umbrüche. Am Beispiel des Lebensweges einzelner Spieler, die im Zeitraum 1899 (Vereinsgründung) bis 1949 (Gründung der Bundesrepublik) für die Blauen am Ball waren, soll aufgezeigt werden, wie sich politische Umbrüche auf das Schicksal ganz normaler Menschen ausgewirkt haben. Wie Sportler, die zuvor in einem Team für die Blauen aufgelaufen waren, nicht mehr zusammenspielen durften oder konnten, weil der Mitspieler z.B. Jude war, ins Exil gehen musste, im Krieg an der Front verheizt wurde, in Kriegsgefangenschaft geriet oder ähnliche tragische Schicksale erleiden musste.

Das Projekt will aufzeigen, dass sich „der Fußball“ bzw. dessen Verbände und Vereine und auch die Fanszenen nicht von gesellschaftlich-politischen Entwicklungen mit dem Argument „wir wollen nur Fußball spielen“ abkapseln können, sondern – gerade wegen ihres großen, Milieu übergreifenden Einflusses auf Menschen und Institutionen in ihrem Umfeld – eindeutig positionieren sollten: parteipolitisch neutral, jedoch eindeutig parteiisch im Eintreten für Demokratie und gegen jede Form von Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
Gleichzeitig soll deutlich gemacht werden, dass sich politische, anti-demokratische Umbrüche unweigerlich auch auf das Leben aller Bürgerinnen und Bürger auswirken, dass sich niemand solcher Entwicklungen entziehen kann und im Umkehrschluss für Vielfalt, Toleranz und eine demokratische Gesellschaftsform einsetzen muss – im Stadion ebenso wie im alltäglichen Leben.

Das Projekt HEIMAT KICKERS – Die Blauen in bewegten Zeiten wurde entwickelt und umgesetzt vom Kickers Fanprojekt, dessen Träger der Verein Fanprojekt Stuttgart e.V. ist. Das Kickers Fanprojekt leistet soziale Arbeit mit den jugendlichen und jungen erwachsenen Fans der Stuttgarter Kickers. Finanziert wird es mit Fördergeldern des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Da wir unser Projekt auch nach der Ausstellung weiterführen wollen, sind wir immer offen für weitere engagierte Menschen, die sich vorstellen könnten, bei uns einzusteigen und mitzumachen.
Bei Interesse einfach << Kontakt aufnehmen >> mit dem Kickers-Fanprojekt – telefonisch, schriftlich oder persönlich in unseren Räumlichkeiten in der Alexanderstraße 17 im Stuttgarter Osten (Nähe Eugensplatz). Oder sprecht uns einfach an bei einem Spiel der Blauen.
 

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