Mit Holger Bachthaler haben die Stuttgarter Kickers ihren neuen Cheftrainer für die kommende Saison verpflichtet. Im ersten Interview spricht der 51-Jährige zum Start in die Vorbereitung über seine ersten Eindrücke vom Verein, seine Werte als Trainer, die Bedeutung der Fans und seine Ziele auf der Waldau.
Holger, was sind deine ersten Eindrücke vom Verein, vom Umfeld und von der Mannschaft?
Ich gehe die Aufgabe bei den Kickers mit großer Vorfreude an und kann es kaum erwarten, endlich mit der Mannschaft auf dem Platz loszulegen. Alle Personen, die ich bislang kennenlernen durfte, haben auf mich einen sehr engagierten und freundlichen Eindruck gemacht. Der Verein hat eine große Tradition mit einer tollen Fanunterstützung. Es ist ein Privileg, für diesen Verein arbeiten zu dürfen.
Viele Fans kennen deinen bisherigen Werdegang. Wie würdest du dich aber selbst als Mensch beschreiben?
Sich selbst zu beschreiben, ist ja immer so eine Sache. Aber ich würde mal behaupten, dass ich grundsätzlich ein sehr zuverlässiger, harmoniebedürftiger und empathischer Mensch bin. Authentisch trifft sicherlich auch zu. Verstellen oder schauspielern sind sicherlich keine Eigenschaften, die auf mich zutreffen. Wenn mir etwas auf dem Herzen liegt, dann muss es auch raus. Aufgrund meines Alters bin ich zwischenzeitlich schon in vielen Dingen gelassener und geduldiger geworden (lacht).
Was können die Kickers-Fans von einer Mannschaft erwarten, die von Holger Bachthaler trainiert wird?
Ich habe schon klare Vorstellungen von der Art und Weise, wie ich mit meiner Mannschaft Fußball spielen möchte. Es gibt auch viele Parameter, von denen ich überzeugt bin, dass sie mittelfristig zum Erfolg führen werden. Jedoch bin ich kein großer Freund davon, im Vorfeld einer Saison von Spielideen oder Prinzipien zu sprechen, bevor ich nicht mit den Spielern auf dem Platz gearbeitet habe. Für mich geht es in der Vorbereitungsphase zunächst einmal darum, die Mannschaft und die Qualitäten der einzelnen Spieler kennenzulernen und mit ihr gemeinsam eine Herangehensweise zu entwickeln, in der sich die Spieler wohlfühlen. Es liegt an mir, vom ersten Tag an die Jungs mit Klarheit und Konsequenz von unserem Weg zu überzeugen und sie dafür zu begeistern. Am Ende wollen wir alle erfolgreichen Fußball spielen. Dafür werden wir hart und intensiv arbeiten.
Welche Werte sind dir als Trainer besonders wichtig – auf und neben dem Platz?
Fußball ist Mannschaftssport, deshalb müssen wir als Mannschaft gut funktionieren und nicht nur miteinander, sondern füreinander arbeiten. Wir müssen gewillt sein, jeden Tag das Beste aus unseren Möglichkeiten zu machen. Diese Einstellung erwarte ich von jedem Einzelnen. Auch für die Spieler muss es ein Privileg sein, für diesen tollen Verein spielen zu dürfen.
Was hat dich an der Aufgabe bei den Stuttgarter Kickers besonders gereizt?
Die Stuttgarter Kickers verfügen für einen Regionalligisten über sehr professionelle Strukturen, eine tolle Fanunterstützung und eine gute Mannschaft mit Entwicklungspotenzial. Zudem habe ich mit Lutz Siebrecht einen ausgewiesenen Fußballfachmann an meiner Seite. Gemeinsam werden wir alles dafür tun, um die Mannschaft weiterzuentwickeln und den größtmöglichen Erfolg zu erreichen. Ich werde alles dafür tun, um mit der Mannschaft und den Verantwortlichen eine positive Entwicklung mitzugestalten.
Wenn du mit einer Mannschaft arbeitest: Worauf legst du in den ersten Wochen der Vorbereitung den größten Wert?
Der Schwerpunkt in der Vorbereitung wird sicherlich darin liegen, sich schnellstmöglich kennenzulernen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Wir müssen eine Atmosphäre schaffen, in der sich die Spieler wohlfühlen und ihre maximale Leistung abrufen können. Daneben liegt der Schwerpunkt darin, gemeinsam mit der Mannschaft eine Herangehensweise zu entwickeln, die es uns ermöglicht, gut gegen den Ball zu arbeiten und aus dieser Struktur im eigenen Ballbesitz für Torgefahr sorgen zu können. Die Mannschaft hat zuletzt Tabellenplatz 7 belegt und es haben uns zudem einige Stammspieler verlassen. Wir haben also viel Arbeit vor uns und müssen uns in vielen Bereichen verbessern.
Welche Rolle spielt für dich die Verbindung zwischen Mannschaft und Fans?
Die Verbindung zwischen Mannschaft und Fans ist das höchste Gut in einem Verein. Die Unterstützung der Kickers-Fans in Heim- wie auch in Auswärtsspielen ist schon außergewöhnlich und muss für jeden Einzelnen von uns Ansporn sein, täglich hart zu arbeiten, um viele Siege gemeinsam mit unseren Fans feiern zu können.
Gibt es einen Trainer, einen Menschen oder ein Erlebnis in deiner Laufbahn, das dich besonders geprägt hat?
Ich habe in meiner Trainerlaufbahn schon viele gute Trainer und tolle Menschen kennenlernen dürfen und habe immer versucht, aus dem Austausch mit ihnen Dinge für mich mitzunehmen. Es ist wichtig, innovativ und offen für Neues zu sein und sich permanent auch selbst zu hinterfragen, um gegebenenfalls Anpassungen in seiner Denk- und Arbeitsweise vorzunehmen. Fußballerisch am meisten geprägt hat mich sicherlich die Zeit bei RB Salzburg, da ich inhaltlich enorm viel für mich mitnehmen konnte.
Abseits des Fußballs: Womit verbringst du am liebsten deine freie Zeit und was sollten die Fans über dich wissen, das man nicht direkt auf dem Sportplatz erkennt?
Fußball nimmt natürlich auch in meinem Privatleben viel Zeit in Anspruch, da es schon ein 24/7-Job ist, der dich nicht wirklich loslässt. Selbst zuletzt im Urlaub ist man permanent damit beschäftigt, die Kaderplanung mit den Verantwortlichen voranzutreiben. Die wenig verbleibende Zeit versuche ich natürlich so gut es geht mit der Familie und mit Freunden zu verbringen. Zum Glück teilen meine Frau und ich die Leidenschaft für das Golfspielen.
Was war bisher der schönste Moment deiner Trainerkarriere – und warum?
Ich habe in meiner Trainerkarriere bereits fünfmal den Landespokal gewinnen können, dreimal mit dem SSV Ulm 1846 und zweimal mit dem FV Illertissen. Zudem konnten wir mit dem SSV Ulm 1846 in der 1. Runde des DFB-Pokals den amtierenden Pokalsieger Eintracht Frankfurt aus dem Pokal werfen.
Emotional am schönsten war aber der letztjährige Sieg in der 1. Runde des DFB-Pokals mit dem FV Illertissen gegen den 1. FC Nürnberg. Wir haben nach zehn Minuten bereits 2:0 geführt, lagen nach 75 Minuten mit 2:3 in Rückstand und haben uns dann durch ein Kopfballtor von Tobi Rühle in der 90. Minute in die Verlängerung gerettet und in der Verlängerung nochmals einen aufopferungsvollen Fight geliefert und uns ins Elfmeterschießen gerettet. Nach dem entscheidenden Elfmeter sind alle Dämme gebrochen und die Freude kannte keine Grenzen.
Welches Ziel verfolgst du persönlich in deiner Zeit bei den Stuttgarter Kickers?
Ich möchte mit meiner Arbeit und meiner persönlichen Art dazu beitragen, dass wir alle eine erfolgreiche Zeit haben werden. Ich persönlich möchte jedes Spiel gewinnen, so werden wir auch die Jungs die Woche über vorbereiten. Fußball ist jedoch keine One-Man-Show, deshalb hoffe ich, dass wir nicht nur in erfolgreichen, sondern auch in schwierigeren Phasen zusammenstehen werden.
Stell dir vor, ein Fan trifft dich zum ersten Mal auf der Waldau und fragt: „Warum passt Holger Bachthaler zu den Kickers?“ – was würdest du antworten?
Zum einen, weil Blau meine absolute Lieblingsfarbe bei der Kleidungswahl ist (lacht), und zum anderen, weil es mir in der Vergangenheit immer gelungen ist, eine positive und erfolgreiche Entwicklung in meinem jeweiligen Verein voranzutreiben.
Zum Abschluss: Welche Botschaft möchtest du den Kickers-Fans vor dem Start der neuen Saison mit auf den Weg geben?
Lasst uns GEMEINSAM positiv in die neue Saison starten. Mit eurer Unterstützung wollen wir nicht nur in den Heim-, sondern auch in den Auswärtsspielen erfolgreichen Fußball spielen. Auf die BLAUE!