10.02.2026

Kickers-Scout Jürgen Meissner im Interview: „Ich schaue lieber dreimal live als einmal zu viel Video“

Seit September ist Jürgen Meissner Teil des sportlichen Teams der Stuttgarter Kickers. Als Scout unterstützt der 47-Jährige Geschäftsführer Sport Lutz Siebrecht insbesondere bei der Kaderzusammenstellung und der Talentsuche, mit Schwerpunkt Bayern. Im Interview spricht Jürgen Meissner über seinen Weg, seine Arbeitsweise und die Aufgabe bei den Blauen.

Jürgen, seit September bist du bei den Stuttgarter Kickers tätig. Wie kam es dazu?

Ich war zuvor im Nachwuchs-Scouting des FC Ingolstadt tätig und habe relativ schnell gemerkt, dass ich langfristig wieder im Herrenbereich arbeiten möchte. Dort, aber auch in meinen Stationen zuvor, habe ich über viele Jahre ein gutes Netzwerk aufgebaut. Über den Austausch mit Verantwortlichen – und letztlich über Gespräche mit Lutz Siebrecht – hat sich dann die Möglichkeit ergeben, bei den Kickers einzusteigen. Für mich war das eine sehr spannende Perspektive.

Was reizt dich an der Aufgabe bei den Stuttgarter Kickers besonders?

Die Kickers sind ein Traditionsverein mit einem außergewöhnlichen Umfeld. Stadion, Fans, Historie: das ist alles andere als selbstverständlich für diese Liga. Gleichzeitig ist der Anspruch im Verein klar formuliert, ohne unrealistisch zu sein. Diese Mischung aus Bodenständigkeit und Ambition hat mich überzeugt.

Wie ist deine Rolle im sportlichen Team genau definiert?

Ich unterstütze das Team um Lutz als Scout, bringe meine Einschätzungen ein, beobachte Spieler und Märkte und liefere Entscheidungsgrundlagen. Wichtig ist mir dabei immer: Es geht um Teamarbeit und um abgestimmte Prozesse.

Dein Schwerpunkt liegt auf dem bayerischen Markt. Warum gerade dort?

Ich arbeite seit vielen Jahren in Bayern, kenne die Ligen, die Vereine und die Strukturen sehr gut. Dieses Wissen kann ich gezielt einbringen. Gerade in der Landes-, Bayern- und Regionalliga gibt es viele Spieler mit Potenzial, die interessant für die nächsten Schritte sein können.

Wie gehst du bei der Spielersuche konkret vor?

Ich bin jemand, der sehr viel Wert auf Live-Eindrücke legt. Videos und Daten können hilfreich sein, aber sie ersetzen für mich nicht den Stadionbesuch. Ich möchte sehen, wie sich ein Spieler im Spiel verhält: Kommunikation, Körpersprache, Entscheidungsfindung. Wenn mir jemand auffällt, schaue ich ihn mir mehrfach an. Erst dann entsteht ein belastbares Gesamtbild.

Ein Beispiel dafür ist der Transfer von Laurin Völlmerk. Wie hast du ihn erlebt?

Laurin ist ein Spieler, den ich über einen längeren Zeitraum beobachtet habe. Er bringt wichtige körperliche Voraussetzungen mit, ist torgefährlich und hat gleichzeitig Entwicklungspotenzial. Entscheidend war aber nicht nur seine Qualität, sondern auch die Überzeugung, dass er bei den Kickers den nächsten Schritt machen kann. Dass er sich trotz anderer Optionen für uns entschieden hat, freut mich sehr.

Welche Aspekte sind dir beim Kaderbau grundsätzlich wichtig?

Neben Talent geht es im Herrenbereich immer auch um Struktur und Balance. Bestimmte Schlüsselpositionen brauchen Erfahrung und Persönlichkeit. Spieler, die Verantwortung übernehmen, die Ruhe ausstrahlen und dem Team Orientierung geben. Wenn diese Achse stimmt, können sich junge Spieler deutlich besser entwickeln.

Wie eng ist der Austausch innerhalb des sportlichen Teams?

Sehr eng. Es gibt regelmäßige Gespräche und einen offenen Austausch. Ich schaue mir bewusst auch Spiele der Kickers an, um die Mannschaft besser einschätzen zu können. Am Ende geht es immer darum, gemeinsam die bestmöglichen Entscheidungen für den Verein zu treffen.

Was sind deine Ziele bei den Stuttgarter Kickers?

Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass der Verein sportlich stabil und nachhaltig arbeitet. Diesen Eindruck konnte ich sehr schnell gewinnen. Wenn es gelingt, Entwicklung und Erfolg miteinander zu verbinden, dann ist das der richtige Weg.

Jürgen, vielen Dank für das Gespräch und herzlich willkommen bei den Kickers.

Vielen Dank! Ich freue mich sehr, Teil der Blauen zu sein.