Nachwuchs28.10.2026

Bio-Banding gegen den VfB Stuttgart - Stadtduell mit einem gemeinsamen Ausbildungsziel

In der vergangenen Woche traf eine jahrgangsübergreifende Mannschaft der Stuttgarter Kickers auf den VfB Stuttgart. Unter der Leitung von U14-Cheftrainer Sören Stegemann standen Spieler aus der U13, U14 und U15 gemeinsam auf dem Platz. 

Das Besondere: Die Mannschaft wurde nicht in erster Linie nach dem Alter der Spieler zusammengestellt, sondern nach ihrem körperlichen Entwicklungsstand. Dieses Prinzip nennt sich Bio-Banding. So entstand ein ausgeglichenes Spiel, das dem Nachwuchs beider Vereine neue und passende Herausforderungen bot. 

Entwicklung statt fester Jahrgangsgrenzen 

Kinder und Jugendliche entwickeln sich unterschiedlich schnell. Auch innerhalb eines Jahrgangs können deshalb große Unterschiede bei Größe, Kraft oder Schnelligkeit bestehen. Diese körperlichen Vorteile sagen jedoch nur wenig darüber aus, welches fußballerische Potenzial ein Spieler langfristig entwickeln kann. 

Genau hier setzt Bio-Banding an. Die Stuttgarter Kickers lösen dabei bewusst die klassischen Jahrgangsgrenzen auf und bringen Spieler zusammen, die sich körperlich auf einem ähnlichen Entwicklungsstand befinden. Dadurch entstehen zusätzliche Trainings- und Spielerfahrungen, bei denen andere Fähigkeiten stärker in den Vordergrund rücken. 

„Wir wollen den unterschiedlichen Entwicklungsverläufen unserer Spieler gerecht werden. Dafür brechen wir die normalen Jahrgangsstrukturen bewusst auf. Frühentwickler sollen an ihre Grenzen kommen und Lösungen finden müssen, wenn sie sich weniger auf ihre körperlichen Vorteile verlassen können. Spätentwickler sollen eine reale Chance erhalten, ihre fußballerischen Fähigkeiten einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Temporäre Entwicklungsunterschiede dürfen nicht darüber entscheiden, wem wir langfristig etwas zutrauen“, erklärt NLZ-Leiter Thomas Christ. 

Spielformat passend zum Entwicklungsstand 

Auch das Spielformat wurde an diesen Ansatz angepasst. Gespielt wurde im 11 gegen 11 auf einem verkleinerten Feld und auf Mitteltore. 

Durch die volle Mannschaftsgröße konnten sich die Spieler weiterhin in einem kompletten Teamgefüge bewegen. Gleichzeitig sorgte das kleinere Spielfeld dafür, dass technische Fähigkeiten, Orientierung und schnelle Entscheidungen stärker gefragt waren. Lange Laufwege und reine körperliche Vorteile spielten dadurch eine geringere Rolle. 

Auch die Mitteltore wurden bewusst gewählt. Sie passten die Anforderungen beim Abschluss und im Torwartspiel an den Entwicklungsstand der Spieler an. 

U14-Cheftrainer Sören Stegemann zog ein positives Fazit: „Es war schön zu sehen, dass das Spiel nicht durch körperliche Vorteile entschieden wurde. Die Jungs mussten Lösungen finden, um sich sowohl individuell als auch im Team durchzusetzen.“ 

Der einzelne Spieler steht im Mittelpunkt 

Die Mannschaft der Stuttgarter Kickers bestand aus 16 Spielern aus drei Altersklassen. Ihr geschätztes biologisches Durchschnittsalter lag bei rund 13,11 Jahren, die einzelnen Werte reichten von 11,8 bis 13,9 Jahren. 

Diese Unterschiede zeigen, warum bei der Nachwuchsausbildung nicht nur das Geburtsjahr eines Spielers entscheidend sein sollte. Die Stuttgarter Kickers betrachten deshalb zusätzlich, wie weit ein Spieler körperlich tatsächlich entwickelt ist. 

Auch in der regulären U14 zeigt sich dieser Ansatz. Die vier Geburtsquartale sind dort annähernd gleichmäßig vertreten. Damit berücksichtigen die Stuttgarter Kickers auch den sogenannten relativen Alterseffekt. Dieser beschreibt, dass in Nachwuchsmannschaften häufig besonders viele Spieler vertreten sind, die früh im jeweiligen Auswahljahr geboren wurden und dadurch zeitweise körperliche Vorteile haben können. 

Im Mannschaftsdurchschnitt liegen biologisches und tatsächliches Alter zwar nah beieinander, bei einzelnen Spielern gibt es jedoch deutliche Abweichungen. Deshalb werden sowohl das Geburtsalter als auch der körperliche Reifegrad bei der Förderung berücksichtigt. 

Aus Gegenspielern werden Mitspieler 

Nach dem Vergleich folgten Twin-Games mit vereinsübergreifend gemischten Teams. Spieler der Stuttgarter Kickers und des VfB Stuttgart standen dabei nicht mehr gegeneinander, sondern gemeinsam auf dem Platz und suchten als Mannschaft nach Lösungen. 

Der Tag zeigte damit auch, dass sportliche Rivalität und gemeinsame Nachwuchsförderung gut zusammenpassen können. 

Bio-Banding ist bei den Stuttgarter Kickers ein regelmäßiger Bestandteil der Nachwuchsausbildung. Die Bio-Banding-Einheiten finden montags statt und ergänzen das Training in den jeweiligen Jahrgangsmannschaften. 

Auch bei Vergleichen mit Stützpunkten oder wfv-Auswahlen orientieren sich die Stuttgarter Kickers an diesem Grundgedanken: Gruppenzusammensetzung, Spielformat und Anforderungen sollen zum Entwicklungsstand der Spieler passen und jedem Nachwuchsspieler Herausforderungen bieten, die ihn in seiner individuellen Entwicklung weiterbringen.