Fans26.04.2024

Wie ein Fußball-Fan seine Begeisterung für die Stuttgarter Kickers entdeckte

Die Stuttgarter Kickers haben in den vergangenen Jahren wieder enorm an Zuspruch gewonnen. Warum? Fußball-Fan Simon erzählt seine Geschichte, die möglicherweise für Aufklärung sorgt.

Manchmal entstehen neue Geschichten im Leben durch reine Zufälle. So auch geschehen bei mir am 30. Juli 2022. Es war ein warmer Sommersamstag, an dem ich eigentlich schon feste Pläne hatte. Doch wie das manchmal so ist, flatterte eine kurzfristige Absage ein und aus reiner Langeweile ging ich in die unter Fußball-Fans legendäre Kickers-App, um dort festzustellen: In der ersten Runde des DFB-Pokals spielen die Stuttgarter Kickers, Oberligist, gegen den Zweitligisten Greuther Fürth. Noch gab es Karten zu ergattern, ein Anruf später saß ich mit einem fußballverrückten Kumpel und HSV-Fan in der U-Bahn Richtung Waldau – was gibt es schließlich Schöneres als ein sonniger Sommertag und 22 Kicker, die gegen das runde Leder treten. Damals wohnte ich noch im Stuttgarter Westen und begab mich ohne große Erwartungen zum Fernsehturm.

Plötzlich fühlt sich der Fußball leicht an

Es entwickelte sich ein fantastisches Erlebnis. Wie das so ist, wenn David Goliath besiegt. 2:0 gewannen die Kickers und David Braig wusste mit dem zweiten Treffer besonders schön zu vollenden. Doch nicht nur deshalb war es ein besonderes Ereignis. Kurz: Dieses Spiel fühlte sich irgendwie leicht an. Doch warum genau? Das war mir zu jenem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Denn, so ehrlich muss ich sein: Ich liebe die Bundesliga und ich bin eigentlich Fan des VfB Stuttgart. Doch bei diesem einen Spiel im Juli 2022 bekam ich einen neuen, schönen Eindruck vom Fußball, der die Jahre zuvor doch gelitten hatte und auch weiterhin leidet.

Wir alle kennen die Themen, die um unseren Herzenssport kreisen. Weltmeisterschaften in Katar, neue Ligen in Saudi-Arabien, Debatten über den Einfluss von Verbänden, Rangeleien an den Vereinsspitzen oder Tennisbälle auf dem Platz. Das sind nur einige wenige Beispiele.

Flutlichtmasten oberhalb der Stadiondächer

Bei diesem Spiel der Kickers war all das nicht existent. Das wurde mir aber erst durch wiederholende Eindrücke klar, die meine Wahrnehmung festigten. Kinder auf den Zäunen, entspannte Väter mit Bier in der Hand, hippe Studenten aus dem Stuttgarter Süden. Alles irgendwie anders, friedlich und harmonisch. Dazu Flutlichtmasten oberhalb der Stadiondächer, was es so auch nicht mehr allzu oft zu sehen gibt – und das Herz jedes Fußballromantikers erwärmt. Und natürlich der Stuttgarter Fernsehturm inmitten dieses Anblicks mitsamt umliegendem Degerlocher Wald.

Aus einem vereinzelten Stadionbesuch wurden somit immer regelmäßigere Erlebnisse. Ich ging zum Pokalkracher gegen Eintracht Frankfurt, ich schaute mir das Aufstiegsduell in Großaspach an. Spätestens nach meinem Umzug nach Sillenbuch ging es dann auch zu den gängigen Ligaduellen, darunter auch ein 0:0 gegen den FSV Frankfurt oder den VfR Aalen in der Regionalliga nach gelungenem Aufstieg.  

Dort, wo der Fußball seinen Charme nicht verloren hat

Zu den Kickers zu gehen, ist eine andere Erfahrung als in den großen Stadien dieser Welt. Es steht aber auch überhaupt nicht in Konkurrenz dazu, vor allem nicht zu Vereinen auf internationalem Parkett. Das sind einfach andere Events. Für die große Masse, Hochglanz, vielleicht ja bald auch wieder Champions League in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Was Stuttgart als Sportstadt guttut. Und worauf ich auch Lust habe.

Dann ist da aber eben auch dieses Bier aus dem Supermarkt, ein Spaziergang durch den Wald zwischen Sillenbuch und Degerloch – und schon bin ich dort, ganz in der Nähe von Restaurants wie Waldauerle sowie Waldauerin, und sehe Spieler, deren größter Traum es einst mal war, in der ersten Runde des DFB-Pokals spielen zu können. Was sie dann auch erreicht haben. Es ist ein Ort, an dem vielleicht nicht jeder Sprint durch brillante Athletik und jedes Dribbling durch erstaunliche Raffinesse besticht. Es ist aber eben gleichzeitig der Ort, den viele Fußballfans heute vermissen. Auf der Waldau hat der Fußball seinen ursprünglichen Charme nicht verloren, weil der Wettbewerb einen vergleichsweise geringeren Veränderungszwang hat. Und wie schön ist es eigentlich, sich ein Ticket vor Ort am Schalter zu kaufen?

 Kickers-Besuche gehören mittlerweile zum Alltag

Ich habe keine Umfragen, die meine Thesen belegen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass neben dem sportlichen Erfolg all das ein Grund ist, warum der Zuspruch für die Kickers zuletzt so gewachsen ist. Und ich mit meiner Wahrnehmung nicht allein bin. Ein subjektiver Beleg dafür: Noch vor wenigen Jahren hätte ich kaum eine Person nennen können, die zu einem Spiel auf die Waldau geht. Von Verbandspokal-Finals mal abgesehen, die dazu dienten, die Vorfreude aufs am selben Tag stattfindende große DFB-Pokalfinale noch zu steigern. Und mittlerweile? Gegen Steinbach, Anfang März, belief sich mein Bekanntenkreis vor Ort auf eine fast zweistellige Anzahl. Zu den Kickers zu gehen, liegt demnach voll im Trend und gehört für mich persönlich mittlerweile zum Alltag.

Und jetzt? Am Samstag steht das Duell gegen den VfB II an, was für mich bedeutet, dass ich mir unweigerlich die Frage stellen muss: Für wen bin ich eigentlich? Die Antwort formuliere ich mal so: Über einen Aufstieg der Kickers würde ich mich unglaublich freuen.

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